Dr. Peter Rohrsen

Nach seinem Studium im schottischen St. Andrews, Göttingen und München war Peter Rohrsen an der Universität Göttingen 16 Jahre lang tätig als Forschungs- und Lehrbeauftragter für englische Kulturgeschichte. Nach einer Zwischenstation bei der Studienstiftung des Deutschen Volkes leitete er ab 1980 den Regionalbereich Asien der Carl Duisberg Gesellschaft in Köln, ab 1986 die Marketingabteilung der Stadt Köln.

Nach seiner Pensionierung und Übersiedlung nach Berlin 2002 führte er bis 2012 die Geschäfte der eigenen accentour Berlin GmbH, qualifizierte sich bei der IHK Rhein/Sieg als einer der ersten deutschen TeeSommeliers und veröffentlichte 2013 in der Beck‘schen Tb-Reihe „Wissen“ den Band „Der Tee“, der inzwischen zum Standardwerk geworden ist.

 

 

 

 

Vortragsbeschreibung

Tee aus Assam und Darjeeling: Geschichte – Geschmack - Geschäft

 

„Tee aus Indien“ geht uns heute so selbstverständlich über die Lippen wie „Eulen nach Athen“: Der Subkontinent produziert mehr Tee als – mit Ausnahme Chinas –  jedes andere Land. Und aus Darjeeling oder Assam kommen einige der besten Schwarztees der Welt.

Dabei ist die Teekultur Indiens kaum 200 Jahre alt – die Teegeschichte Chinas geht dagegen zurück auf das Jahr 2737 v.Chr. Die vielfältigen Gründe für diesen rasanten Erfolg, aber auch heutige Probleme der indischen Teewirtschaft werden im Tea Talk hinterfragt:

Was veranlasste die britische East India Company, die erste global agierende Aktiengesellschaft der Geschichte, seit der Wende zum 19.Jahrhundert den Anbau der Teepflanze  in Indien voranzutreiben? Was war ausschlaggebend für den Siegeszug des indischen Tees, zunächst in Großbritannien, bald aber auch in ganz Europa und Nordamerika?

Bis heute beliebt bei Teetrinkern in aller Welt ist indischer Tee wegen seiner einzigartigen Geschmacksvielfalt: Welche geografischen und landwirtschaftlichen Besonderheiten zeichnen die indischen Teegärten aus? Ernte und Verarbeitung der Teeblätter sind für die Erzeugung von Spitzentees genauso wichtig wie die natürlichen Voraussetzungen: Wie wird grüner und schwarzer Tee hergestellt, gehandelt und transportiert? Was beeinflusst den jeweiligen Geschmack? Wie werden Qualitätsstandards gesetzt und kontrolliert?  Welche Teesorten werden bevorzugt, wie sind die jüngeren Entwicklungstrends, zum Beispiel im Hinblick auf grünen Tee und biologische Anbauweise? Was wissen wir über die gesundheitlichen Aspekte des Teegenusses?

Tee war bis zur Unabhängigkeit Indiens vor allem Exportprodukt für den britischen und internationalen Markt. Mit steigendem Wohlstand hat sich aber eine ausgeprägte eigene Teekultur in Indien entwickelt, so dass der Anteil des Eigenkonsums ständig wächst. Die Agrarflächen für die Teeerzeugung können aber nur begrenzt ausgeweitet werden. International sieht sich Indiens Teeindustrie wachsendem Konkurrenz- und Preisdruck, vor allem aus Afrika, ausgesetzt: Kenia zum Beispiel macht inzwischen Assam den Rang als größtes zusammenhängendes Teeanbaugebiet der Welt streitig. Und in den Teegebieten Indiens gibt es zunehmend Schwierigkeiten, geeignetes Fachpersonal heranzuziehen und in der Firma bzw. der Teebranche zu halten: Junge Leute bevorzugen Jobs in der florierenden Elektronikindustrie oder träumen von Bollywood. Viele wollen lieber in den quirligen Städten ihr Glück suchen als in den abgeschiedenen Teegärten, in denen ihre Vorfahren seit Generationen harte Arbeit geleistet und auf viele Annehmlichkeiten verzichtet haben.

Die Frage, was wir als Teetrinker dazu beitragen können, um Qualität und Vielfalt des indischen Tees zu erhalten und – auch im eigenen Interesse – zukunftsfähig zu machen, soll in der Diskussion dazu anregen, unser Verbraucherverhalten kritisch zu hinterfragen und womöglich zu ändern.