Dr. Kathrin Gassert

Kathrin Gassert arbeitet seit dem Jahr 2003 für die Projektwerkstatt GmbH in Potsdam, wo sie die Bereiche Geschäftsentwicklung und Kommunikation leitet. Ein besonderes Anliegen sind ihr in diesem Zusammenhang auch Projekte rund um das Thema Nachhaltigkeit. Steht die Projektwerkstatt mit ihrer Marke "Teekampagne" doch für hohe Qualität und den fairen Handel mit Darjeeling. Vor ihrer Tätigkeit für die Projektwerkstatt GmbH arbeitete Frau Gassert als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Betriebswirtschaftslehre der Universität Lüneburg, wo sie im Rahmen ihrer Dissertation zum Thema Kommunikation und Innovationen im Bereich der Biotechnologie forschte. Vor ihrem Studium der Betriebswirtschaftslehre absolvierte sie eine Ausbildung zur Hotelfachfrau in Hamburg. Seitdem begeistert sie sich für Tee.

 

Vortragsbeschreibung

 

Tee aus Assam und Darjeeling: Geschichte – Geschmack - Geschäft

 

„Tee aus Indien“ geht uns heute so selbstverständlich über die Lippen wie „Eulen nach Athen“: Der Subkontinent produziert mehr Tee als – mit Ausnahme Chinas –  jedes andere Land. Und aus Darjeeling oder Assam kommen einige der besten Schwarztees der Welt.

Dabei ist die Teekultur Indiens kaum 200 Jahre alt – die Teegeschichte Chinas geht dagegen zurück auf das Jahr 2737 v.Chr. Die vielfältigen Gründe für diesen rasanten Erfolg, aber auch heutige Probleme der indischen Teewirtschaft werden im Tea Talk hinterfragt:

Was veranlasste die britische East India Company, die erste global agierende Aktiengesellschaft der Geschichte, seit der Wende zum 19.Jahrhundert den Anbau der Teepflanze  in Indien voranzutreiben? Was war ausschlaggebend für den Siegeszug des indischen Tees, zunächst in Großbritannien, bald aber auch in ganz Europa und Nordamerika?

Bis heute beliebt bei Teetrinkern in aller Welt ist indischer Tee wegen seiner einzigartigen Geschmacksvielfalt: Welche geografischen und landwirtschaftlichen Besonderheiten zeichnen die indischen Teegärten aus? Ernte und Verarbeitung der Teeblätter sind für die Erzeugung von Spitzentees genauso wichtig wie die natürlichen Voraussetzungen: Wie wird grüner und schwarzer Tee hergestellt, gehandelt und transportiert? Was beeinflusst den jeweiligen Geschmack? Wie werden Qualitätsstandards gesetzt und kontrolliert?  Welche Teesorten werden bevorzugt, wie sind die jüngeren Entwicklungstrends, zum Beispiel im Hinblick auf grünen Tee und biologische Anbauweise? Was wissen wir über die gesundheitlichen Aspekte des Teegenusses?

Tee war bis zur Unabhängigkeit Indiens vor allem Exportprodukt für den britischen und internationalen Markt. Mit steigendem Wohlstand hat sich aber eine ausgeprägte eigene Teekultur in Indien entwickelt, so dass der Anteil des Eigenkonsums ständig wächst. Die Agrarflächen für die Teeerzeugung können aber nur begrenzt ausgeweitet werden. International sieht sich Indiens Teeindustrie wachsendem Konkurrenz- und Preisdruck, vor allem aus Afrika, ausgesetzt: Kenia zum Beispiel macht inzwischen Assam den Rang als größtes zusammenhängendes Teeanbaugebiet der Welt streitig. Und in den Teegebieten Indiens gibt es zunehmend Schwierigkeiten, geeignetes Fachpersonal heranzuziehen und in der Firma bzw. der Teebranche zu halten: Junge Leute bevorzugen Jobs in der florierenden Elektronikindustrie oder träumen von Bollywood. Viele wollen lieber in den quirligen Städten ihr Glück suchen als in den abgeschiedenen Teegärten, in denen ihre Vorfahren seit Generationen harte Arbeit geleistet und auf viele Annehmlichkeiten verzichtet haben.

Die Frage, was wir als Teetrinker dazu beitragen können, um Qualität und Vielfalt des indischen Tees zu erhalten und – auch im eigenen Interesse – zukunftsfähig zu machen, soll in der Diskussion dazu anregen, unser Verbraucherverhalten kritisch zu hinterfragen und womöglich zu ändern.